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Trockenmauer bauen und Steingarten anlegen
Trockenmauern sichern Böschungen, fassen Beete ein und bieten in ihren Fugen Platz für Pflanzen und Tiere. Gebaut werden sie ohne Mörtel – und gerade deshalb nach festen Regeln. Die Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau in Veitshöchheim hat sie in einem Fachbeitrag zusammengestellt; daran hält sich dieser Artikel1.
Warum eine Trockenmauer steht
Eine Trockenmauer hält durch ihr eigenes Gewicht. Fachleute sprechen von einer Schwergewichtsmauer: Das große Eigengewicht muss auch den Druck der Erde aufnehmen, wenn hinter der Mauer eine Böschung liegt1. Daraus folgen fast alle Regeln: Die Steine müssen fest aufeinanderliegen, ineinandergreifen und dürfen nicht wackeln.
Die richtigen Steine
Verbaut werden nur Steine aus „gesundem“ Gestein – nicht verwittert, ohne Risse oder Hohlräume und ausreichend frostbeständig. Ein Stein sollte nicht länger sein als das Vier- bis Fünffache seiner Höhe und nicht kürzer als hoch1. Werden verschiedene Formate verwendet, gehören die größten Steine an den Mauerfuß, an die Ecken und an die Enden.
Das Fundament
Weil eine Trockenmauer ohne Mörtel beweglich bleibt, braucht sie kein starres Fundament bis in frostfreie Tiefe. Auf gewachsenem Boden genügt laut dem Fachbeitrag eine Tragschicht von etwa einem Drittel der Mauerhöhe, mindestens 30 Zentimeter, aus Kiessand oder Schotter (Körnung 0/32, 0/45 oder 0/56). Das Fundament sollte etwa 10 Zentimeter breiter sein als die Mauer, seine Oberkante 5 bis 10 Zentimeter unter dem späteren Gelände liegen1. Eine Broschüre der Bayerischen Gartenakademie nennt für Trockenmauern ein mindestens 40 Zentimeter tiefes, wasserdurchlässiges Fundament2 – wer unsicher ist, nimmt den größeren Wert.
Aufsetzen: Anlauf und Fugen
Anlauf. Stützmauern neigen sich um 5 bis 15 Prozent zum Hang hin. Das macht sie standfester und lässt Pflanzen in der Ansichtsfläche besser an Wasser kommen. Statt die Steine schräg zu legen, kann man jede Reihe um 2 bis 3 Zentimeter zurücksetzen. Das ist laut Fachbeitrag allerdings statisch ungünstiger und nur bei Mauern aus regelmäßigen Schichten möglich; bei kleineren Steinen muss der Mauerfuß ausreichend dick sein, und auf der Rückseite darf kein negativer Anlauf entstehen1.
Dicke. Am Fuß sollte die Mauer etwa ein Drittel so dick sein, wie sie hoch ist1.
Fugen. Die wichtigsten Verbandsregeln aus dem Fachbeitrag1:
- keine Kreuzfugen, weder vorn noch hinten,
- keine senkrechte Fuge (Stoßfuge) über mehr als zwei Steinschichten,
- Stoßfugen mindestens 10 Zentimeter überbinden,
- mindestens ein Binderstein, der quer in die Mauer reicht, auf zwei Läufersteine – Binder etwa anderthalbmal so tief wie hoch, mindestens 30 Zentimeter.
Hohlräume werden mit kleinen Steinen verkeilt, damit Spannung entsteht. Zwei verbreitete Fehler nennt der Beitrag ausdrücklich: das Mauerinnere lose mit Schotter zu füllen und die Lagerfugen mit Erde auszugleichen – Schlagregen wäscht die Erde aus, und die Mauer wird instabil1.
Hinterfüllung und Wasser
Hinter einer Stützmauer darf sich kein Wasser stauen. Hinterfüllt wird mit durchlässigem Material wie Kies, Schotter oder Steinresten, bei Bedarf mit Filtervlies; bindiger Boden als Hinterfüllung gefährdet die Standfestigkeit. Am Mauerfuß darf keine Staunässe entstehen, gegebenenfalls hilft ein Dränrohr1. Die Bayerische Gartenakademie nennt für Stützmauern eine dränierende Hinterfüllung von wenigstens 20 Zentimetern, durch Filtervlies vom Boden getrennt2.
Wie hoch selbst gebaut?
Aus der Faustformel für die Dicke ergibt sich eine sinnvolle Höhe von 1,20 bis 1,50 Metern bei 40 bis 50 Zentimetern Mauerdicke. Für höhere Mauern ist laut dem Fachbeitrag in der Regel ein Standsicherheitsnachweis erforderlich; oft ist es ohnehin schöner und sicherer, das Gelände mit mehreren niedrigen Mauern zu terrassieren1. Bei Stützmauern an Wegen, Einfahrten oder zur Nachbargrenze lohnt der Blick auf Fachbetrieb oder selbst machen?.
Mauerkrone und Pflege
Oben schließt die Mauer mit einer „starken letzten Schicht“ aus dicken Steinen ab, die über die ganze Mauertiefe reichen. Die Mauer sollte regelmäßig kontrolliert werden; sinnvoll ist eine Sichtkontrolle im Frühjahr nach der Frostperiode: Lockere Keile oder Schäden an der Krone sollten rasch behoben werden1.
Lebensraum in den Fugen
Pflanzen kommen in die senkrechten Fugen der Ansichtsfläche1. Ohne Mörtel bieten Natursteinmauern Eidechsen, Insekten und anderen Tieren Unterschlupf, darauf weist auch der NABU hin3. Für sonnige Mauerkronen passen Arten trockener, warmer Standorte, etwa der Sand-Thymian, den FloraWeb für Felsfluren und Sandtrockenrasen nennt4, oder die Kartäuser-Nelke trockener Böschungen5.
Steingarten statt Schotterfläche
Ein Steingarten ist kein Kiesbett mit wenigen Pflanzen. Natürliche oder naturnahe Steingärten sind nach dem baden-württembergischen Umweltministerium „ein wertvolles Refugium für darauf spezialisierte Tier- und Pflanzenarten“6. Entscheidend ist, dass die Pflanzen im Vordergrund stehen: Ein naturnaher Kiesgarten braucht nach den Richtwerten der Landesanstalt zum Zeitbedarf 5 bis 10 Minuten Pflege je Quadratmeter und Jahr, ein naturferner 10 bis 15 – vermeintlich pflegeleichte Kiesflächen werden zu „Zeitfressern“, sobald Samen und Laub anfliegen7. Rindenmulch ist für Steppen- und Kiesbeetstauden ungeeignet8.
Für einen Steingarten bieten sich die Steine einer Trockenmauer an: Eine niedrige Mauer am Hang, davor eine sonnige Fläche mit durchlässigem Boden und Pflanzen trockener Standorte. Wie Baden-Württemberg Steingarten und Schottergarten unterscheidet und welche Pflanzen in den Vorgarten passen, steht unter Vorgarten gestalten.