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Vorgarten gestalten

Der Vorgarten ist die Visitenkarte des Hauses – und oft der Teil des Gartens, dem am wenigsten Zeit gewidmet wird. Viele greifen deshalb zu Schotter, in der Hoffnung auf eine pflegeleichte Fläche. Fachstellen raten davon ab, und in Baden-Württemberg sind Schottergärten sogar verboten. Dieser Artikel zeigt, wie ein Vorgarten grün und trotzdem pflegeleicht wird.

Erst die Funktionen, dann die Pflanzen

Im Vorgarten treffen viele Ansprüche zusammen: Hauszugang, Briefkasten, Mülltonnen, Fahrräder, oft ein Stellplatz. Planen Sie diese Flächen zuerst – so knapp wie möglich und so befestigt wie nötig. Für Wege und Plätze empfiehlt die Bayerische Gartenakademie wasserdurchlässige Beläge: Platten oder Pflaster im Kiesbett oder wassergebundene Decken1. Für Stellplätze nennt die Landesanstalt Schotterrasen, Rasenfugenpflaster oder Rasengitter2. Wie man Wege anlegt, steht im Artikel Wege und Plätze.

Warum Schotter keine Arbeit spart

Der Pflegeaufwand täuscht. Die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau hat für die Landesgartenschau Ingolstadt Gartenelemente verglichen: Ein naturferner Kiesgarten braucht 10 bis 15 Minuten Pflege je Quadratmeter und Jahr, ein naturnaher Kiesgarten mit Pflanzen 5 bis 10 Minuten, eine mehrjährige Blühmischung sogar nur 1 bis 2 Minuten. „Vermeintlich pflegeleichte Kiesgärten werden zu regelrechten Zeitfressern, wenn Wildkrautsamen und Laub angeflogen kommen“, heißt es dort3.

Schotter heizt auf. Kiesflächen erreichen in der Mittagssonne „durchaus 60 °C oder mehr“ und sind im Sommer für Pflanzen und Tiere lebensfeindlich3. Ohne Oberboden fehlt außerdem jede Wasserspeicherung und -filterung; Schottergärten tragen nach Einschätzung der Gartenakademie zu steigenden Sommertemperaturen bei1.

Was in Baden-Württemberg gilt

In Baden-Württemberg verbietet § 21a des Naturschutzgesetzes Schottergärten; den Vollzug übernehmen die Baurechtsbehörden. Das Umweltministerium hat mit dem Landesverband des Garten- und Landschaftsbaus abgegrenzt, was kein verbotener Schottergarten ist4:

  1. ein fachgerecht angelegter Steingarten (Lebensbereich Alpinum/Steingarten) oder
  2. eine Kies- oder Splittmulchung bis 16 Millimeter Körnung (bei speziellen Pflanzungen bis 32 Millimeter) ohne wasserundurchlässige oder wurzelfeste Trennlage, wenn die Pflanzung die Fläche prägt – also gleichmäßig wächst und mindestens 70 Prozent des Bodens bedeckt.

Andere Länder und viele Gemeinden haben eigene Vorgaben, etwa in Bauordnungen oder Bebauungsplänen. Fragen Sie vor einer Neugestaltung beim Bauamt nach.

Steingarten ja, Schotterfläche nein

Ein echter Steingarten ist etwas anderes als eine Schotterfläche: Er ist Lebensraum für darauf spezialisierte Pflanzen und Tiere – das betont auch das baden-württembergische Umweltministerium4. Ein naturnaher Kiesgarten, in dem die Pflanzen im Vordergrund stehen, ist leicht zu pflegen und bietet Insekten Nahrung und Schutz3. Geeignet sind Stauden für sonnige, trockene Standorte, etwa Lavendel, Steppen-Salbei, Sand-Thymian oder Kartäuser-Nelke – Standortangaben aus amtlichen Steckbriefen stehen im Blumenlexikon. Auf Rindenmulch sollten Sie bei Steppen- und Kiesbeetstauden verzichten5. Wie eine Trockenmauer als Rahmen für einen Steingarten entsteht, steht unter Trockenmauer und Steingarten.

Pflanzen für schattige Vorgärten

Liegt der Vorgarten an der Nordseite, helfen Stauden für absonnige Standorte und unter Gehölzen; die Landesanstalt nennt dafür unter anderem das Maiglöckchen6 – beachten Sie aber dessen Giftigkeit (siehe Maiglöckchen). Als Bodendecker für den Schatten beschreiben die Wiener Staudensteckbriefe das Kleine Immergrün7, für den Gehölzrand das Kaukasus-Vergissmeinnicht8.

Rasen im Vorgarten?

Für den kurz geschnittenen Zierrasen nennt die Landesanstalt Vorgärten als typischen Einsatzort – er braucht aber 30 bis 60 Schnitte im Jahr und einen Standort in voller Sonne2. Pflegeleichter ist eine Staudenpflanzung, die den Boden deckt: Je genauer die Pflanzen zum Standort passen, desto weniger Arbeit macht sie1.

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